Ich werde immer wieder gefragt "Soll ich meine Hündin/ meinen Rüden kastrieren lassen und wenn ja, wann?" Ich möchte meine Meinung zu diesem umstrittenenn Thema gerne hier kundtun:
Bei Hündinnen:
Ich bin nicht der Meinung, dass alle Hunde von vornherein kastriert werden sollten! Ungewollte Trächtigkeiten können auch mit ein wenig Umsicht verhindert werden, schließlich lassen wir unsere Hunde ja nicht streunen! Die Läufigkeit der Hündin ist keine Krankheit und das bißchen Blut alle halbe Jahr sollte kein Grund sein, einen doch so schwerwiegenden Eingriff gedankenlos vornehmen zu lassen! Viele Tierärzte verunsichern Hündinnenbesitzern auch schnell durch den statistischen Wert "25% Krebsrisiko bei Kastration nach der ersten Läufigkeit".
1.: "Glaube keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast!" 2.: 25% Risiko bedeutet im Umkehrschluss aber auch 75% Chance, dass gar nichts passiert. Aber daran wird selten gedacht. Wenn wir erstmal anfangen würden, alles wegzuschneiden, was an einem Hund krebsig werden könnte, dann würde original gar nichts von dem Wauwau übrig bleiben!
Ich habe kein Problem damit, dass jemand seine Hündin kastriert, wenn er sie wenigstens einmal läufig werden läßt, damit sie körperlich und auch geistig reifen kann. Wenn sich die Hündin bereits vor der ersten Läufigkeit erwachsen benimmt und eine bestimme geistige Reife erreicht hat, was ab und zu vorkommt, dann ist eine Frühkastration sicher auch kein Drama. Aber immer wieder muss ich erleben, wie Junghündinnen, die noch sehr kindlich und unterwürfig sind, kastriert werden und dann in diesem Zustand bleiben. Einige werden auch nach der Kastration noch erwachsen, aber viele bleiben einfach infantil. Während viele Besitzer das "putzig" finden, sind diese Hündinnen aber auch oft Zielscheibe von Angriffen anderer Hündinnen, die offenbar der Meinung sind "Du riechst erwachsen, du siehst erwachsen aus - aber du benimmst dich nicht erwachsen! Dir bring ich Benehmen bei!". Aber die Risiken einer Frühkastration zu ignorieren, nur weil "die frühkastrierte Hündin des Tierarztes ja auch so toll geworden ist", halte ich für blauaäugig und riskant. Mit vielen verhaltensauffälligen Hündinnen hatte dieser Tierarzt denn schon zu tun? In seinem Wartezimmer werden sich solche Probleme wohl kaum zeigen, sondern draußen "im wahren Leben". Meine Erfahrungen mit frühkastrierten Hündinnen sind jedenfalls zu mindestens 90% nicht gut.Und wollen wir wirklich Kinder-Eunuchen und finden das auch noch gut??
Ein Tierarzt hat sogar auf seiner HP stehen, dass es eine Mär sei, dass Hündinnen heutzutage immer noch einmal läufig geworden sein sollten, das wäre total überholt. Ich halte das für blanken Unsinn und für eine Verwechslung mit dem Irrglauben, dass eine Hündin einmal geworfen haben sollte. Das sollte sie tatsächlich NICHT, sie kann auch ohne Welpen prima leben und es gibt ohnehin schon so viele Hunde. Und ich finde es auch nachvollziehbar, dass in den südlichen Ländern alles kastriert wird, was die Ärzte der Tierschutzorganisationen unters Messer kriegen können. Anders würde man der Hundeschwemme und dem damit verbundenen Hunde-Elend nicht Herr werden. Aber wir in Deutschland können unerwünschte Welpen auch anders verhindern, als generell alle Hunde zu kastrieren, denn normalerweise streunen unsere Hunde ja wohl nicht!
Was das Krebsrisiko angeht: Nach meinen Recherchen tritt Krebs deutlich öfter als Folge von Fütterungsfehlern auf als von unterlassenen oder zu spät vorgenommenen Kastrationen! Besser eine unkastrierte Hündin mit vernünftiger Ernährung als eine frühkastrierte Hündin, die zeitlebens mit Royal Kanickel oder Futro oder Eutana-nuba ernährt wird!
Bei den Rüden: Meiner Meinung nach ist eine Kastration bei Rüden nur sinnvoll wenn:
1. der Rüde sich auch im Erwachsenenalter wiederholt und ernsthaft mit anderen Rüden anlegt und es nicht bei Imponierkämpfchen bleibt, sondern es wirklich mit Bissverletzungen abgehen würde. Oder:
2. der Rüde eine chronische, auch mit härteren Medikamenten nicht zu heilende Vorhautentzündung hat. Es kann nicht gesund sein, ständig einen Entzündungsherd im Körper zu haben. Meinen Pekinesen habe ich aus diesem Grund mit sechs Jahren kastrieren lassen und die Vorhautentzündung war vom Tag der OP an wie weggeblasen.
3. Oder wenn der Rüde vor lauter Liebeskummer nach läufigen Hündinnen nicht mehr frißt, nur noch heult, sich nur noch für Mädels interessiert und sich gar nicht mehr leiten läßt oder sogar streunen geht. Und wenn diese chronische Verliebtheit auch mit dem Kastrationschip nicht zu beheben ist. Diesen Hormonstreß kann man ihm nehmen. Und wenn die Herrchen dann voll des Mitleids sind, dass der arme Knabe seine Sexualität verlieren soll, dann bitte dran denken: Der Hund hat gewöhnlich keine Möglichkeit, diesen Trieb auch auszuleben! Und immer nur davon träumen ist ja wohl auch nichts - oder, meine Herren?
Wenn ein Rüde kastriert werden soll, dann aber bitte erst frühestens mit 15 bis 18 Monaten. Vorher kastrierte Rüden fangen meiner Erfahrung nach an sehr verlockend für andere Rüden zu riechen, werden oft von ihnen bedrängt und halbwegs vergewaltigt. Diesen Fall habe ich schon oft erlebt, und leider reagieren diese ständig belästigten Rüden schnell mit Aggressivität auf die penetranten Annäherungsversuche. Sollte der Rüde aber schon unter einem Jahr unter übersteigertem Trieb leiden, dann gibt es immer noch die "Kastrationsspritze", mit der der Rüde quasi "chemisch kastriert" wird. Die Wirkung der Spritze setzt üblicherweise nach ca. 3 Tagen ein und hält ca. 10 bis 12 Wochen. Bei manchen Rüden funktioniert die Spritze aber auch gar nicht, eine Kastration wirkt dagegen immer.
Übrigens: Kastrierte Hunde verlieren weder ihre Persönlichkeit noch werden sie dick und träge. Sie brauchen nicht mehr soviele Kalorien, die Futtermenge muss entsprechend angepaßt werden.
Mit ist klar, dass ich mir viele Sympathien bei den Tierärzten mit diesem Artikel verscherze, aber damit kann ich umgehen. Als Befürworterin von Rohfütterung, Impfkritikerin und einer Gegnerin von Frühkastrationen bin ich nicht gerade das Lieblingskind der meisten Vets. Aber es gibt immer ein paar Ausnahmen bei den Tierärzten, über die ich mich schon sehr freue!
Im Novmeber 2011 erscheint ein gutes Buch zum Thema, das Sie über meinen Amazon-Shop bestellen können!