Ich werde oft gefragt, was man denn "gegen den Jagdtrieb machen könne". Wenn ich dann "nichts" sage, sind die Blicke erstaunt und Enttäuschung macht sich breit. Aber den Jagdtrieb kann man nicht "wegbekommen". Wohl aber unter Kontrolle. Die sogenannte "Impulskontrolle" klappt bei vielen Hunden - aber nicht bei allen. Außerdem ist es schon fast tierschutzrelevant, wenn man eine Veranlagung immer nur unterdrückt, der Hund aber nicht aus seiner Haut kann und dadurch womöglich ein Leben lang an der Leine laufen muss.
Am sinnvollsten ist daher kein "Anti-Jagdtrainng", sondern eine "Jagdhundeausbildung für den nicht-jagdlichen Einsatz". Dazu gehört das Anzeigen von Wild, das Vorstehen, das Ausarbeiten einer Schleppe, Apportieren, Ablegen, gutes Fußgehen und vieles mehr. Es macht den Hunden sehr viel Spaß, dies alles gewaltfrei zu lernen und zeigen zu können, was in ihnen steckt. Zu dem Thema gibt es ein sehr empfehlenswertes Buch: "Über den Beutetrieb zum Gehorsam" von Giselle Schwan. Es ist zwar primär für die Ausbildung zum Jagdhund im Einsatz gedacht, ist aber auch für für die Halter von Familienhunden mit Jagdpassion eine wertvolle Unterstützung des Trainings. Das Buch können Sie direkt bei der Autorin bestellen: http://www.hundeschule-ellbachguetl.de/html/beutetrieb.html.
Es ist viel Arbeit, das sollte jedem klar sein. Das Ziel ist ein freilaufender Hund, der einen guten Gehorsam hat und das Wild anzeigt, es aber nicht jagt. Je nach Hund, Jagdpassion und Vorgeschichte kann es unterschiedlich lang dauern, bis das Ziel erreicht ist. Auch hier arbeiten wir selbstverständlich nur mit Geschirr, denn der Hund sollte sich sowieso nicht allein ins Unterholz absetzen, so dass eine Gefahr des Hängenbleibens an Bäumen nicht gegeben ist. Auch der Einsatz der Schleppleine zur Verhinderung von selbstbelohnendem Verhalten ist wichtig. Schließlich soll unser vierbeiniger Gefährte lernen, dass es viel mehr Spaß macht, sich mit seinem Menschen auf die Jagd zu begeben statt sich allein in weiter Flur zu amüsieren.
Ein verträumtes, gedankenverlorenes Vor-sich-hin-Spazieren durch Wald und Flur mit einem brav neben einem trottenden jagdlich ambitionierten Hund wir aber immer eher Utopie bleiben. Bei solchen Hunden ist immer Weitblick und Reaktionsschnelligkeit gefragt. Das sollte jeder wissen, der einen jagenden oder Jagdhund hat und sollte das auch möglichst schon vor der Anschaffung berücksichtigen.
Wenn Sie also lernen möchten, wie Ihr Hund auch am Wild mit Ihnen kooperiert und zuverlässig folgt, dann setzen Sie sich mit mir in Verbindung.
Nadine Matthews von dogument.de hat einen Text geschrieben, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Treffender und gleichzeitig humorvoller kann man nicht beschreiben, was in den Köpfen der "Jäger auf vier Pfoten" vor sich geht, wenn es um Wild geht:
<<Auf der Jagd nach dem großen Gefühl - Unerwünschtes Jagdverhalten
von Nadin Matthews / www.dogument.de
Waren Sie schon mal verliebt? Erinnern Sie sich an das
Gefühl der
Euphorie? Wie Sie dämlich grinsend durch die Welt liefen,
kaum essen
konnten, zu einem vernünftigen Gespräch nicht in der Lage
waren,
dafür aber vor Energie fast geplatzt sind? Sie haben ihren
Körper noch
nie in diesem Ausnahmezustand erlebt? Dann werden Sie auch
nie
einen jagenden Hund verstehen!
Im Rausch
Jedes Mal, wenn Sie versuchen Ihre beste Freundin anzurufen,
antwortet sie
mit hoffnungsvoller Stimme. Doch sie erwartet nicht Ihren
Anruf, sondern den
eines anderen Menschen. Sobald klar ist, dass es „nur“ Sie
sind, schleicht
sich eine kaum verhohlene Enttäuschung in ihre Stimme. Ihre
Freundin ist
verliebt, ihr Fokus liegt jetzt ganz woanders. Essengehen
mit ihr ist ein Ding
der Unmöglichkeit, sie bekommt keinen Bissen herunter.
Themen, die sich
nicht um den von ihr begehrten Menschen drehen, sind völlig
uninteressant.
Gemeinsame Pläne spielen keine Rolle mehr. Zu keinem klaren
Gedanken
fähig, zu keiner Arbeit in der Lage, wartet sie nur auf den
Moment, ihn
wiederzusehen. Ihr ganzer Körper spielt verrückt.
Vorübergehende Verrücktheit
Genau das ist es, was passiert, wenn Menschen sich
verlieben. Eine
italienische Psychologin beschrieb das Verliebtsein einst
als eine Form von
„vorübergehender Verrücktheit“: beim Anblick des geliebten
Objekts weiten
sich die Pupillen, das Herz schlägt schneller, der Blutdruck
steigt. Schuld
daran sind Hormone, in erster Linie der Botenstoff Dopamin.
In den
Hirnregionen, in denen die Motivations- und
Belohnungszentren liegen, steigt
der Spiegel des Dopamin stark an. Bedürfnisse wie Hunger,
Durst oder
Schlaf werden unterdrückt. Kein Wunder, dass manche
Wissenschaftler die
Ansicht vertreten, „verliebte Menschen sollten
krankgeschrieben werden“, weil
sie nicht mehr in der Lage sind, ihren Job ordentlich zu
erledigen.
Hormoncocktail mit Suchtgefahr
Und jetzt stellen Sie sich Ihren Hund vor, der gerade jagt.
Taub für ihr
Gebrüll, Gepfeife oder andere Versuche, ihn zu stoppen, rast
er über das
Feld, weil er am Waldrand ein Reh gesichtet hat. Dabei haben
Sie doch alles
gegeben: besser als jeder Windhund scannen Sie die Umgebung
ein und
lauschen auf jedes Knacken im Unterholz. An Stellen, an
denen Ihnen schon
einmal Wild über den Weg gelaufen ist, versuchen Sie über
immer neue
Suchspiele den Hund abzulenken. Sie rufen ihn häufig mit
einem lockeren
„Hier“ heran, um es nicht nur dann zu tun, wenn es eine
schwierige Situation
gibt. Das mit der Schleppleine haben Sie bereits aufgegeben,
weil Sie sich
vom letzten Jagdversuch ihres Hundes körperlich noch nicht
vollständig erholt
haben. Und dann kommt es doch: das Reh - und aus Ihrem
„Hier“ wird ein
hektisches „HIIIIIIER“, woraufhin Ihr Hund direkt den Kopf
hochreißt und beim
Erblicken des Rehs auch schon loshetzt. Die Disc-Scheiben in
Ihrer zitternden
Hand erzielen diesmal sogar einen Körpertreffer. Doch als
wäre er aus Stahl,
prallen die Scheiben am Hund ab. Selbst die sonst so
geliebte Fleischwurst,
für die er normalerweise alles tut, halten Sie jetzt wie
eine abgewiesene
Einladung in Ihrer Hand. Er hat sich entschieden: gegen die
Wurst, für das
Reh.
Während sie noch darüber nachdenken, was für ein
treuloses Tier Sie
seit Jahren durchfüttern, sich ärgern, dass wir in
Deutschland viel zu viel Wild
haben, wütend am Wegesrand stehen und sich schwören, ihn ab
morgen
(sollte er denn wiederkommen) nicht mehr abzuleinen,
passiert im Körper
ihres Hundes etwas ganz anderes. Etwas, das dem Verliebtsein
des
Menschen sehr ähnelt. Auch bei ihm wird ein Hormoncocktail
ausgeschüttet,
der Suchtgefahr beinhaltet.
Unerreichbar dank Dopamin
Dieser Cocktail, bei dem auch wieder das Dopamin eine
entscheidende Rolle
spielt, bewirkt ein Hochgefühl, körpereigene Opiate machen
dabei
schmerzunempfindlich. Es ist ein Feuerwerk der Hormone und
lässt den Hund
wie besessen erscheinen. Der Herzschlag beschleunigt sich,
der Blutdruck
steigt, durch die Vergrößerung des Lungenvolumens und durch
die starke
Durchblutung wird der Körper mit ausreichend Sauerstoff
versorgt, um die
maximale Leistungsfähigkeit zu erreichen. Nichts anderes
mehr wahrnehmend,
erinnert selbst der Blick an den eines Verliebten.
Unterschiedlicher können die Empfindungen zwischen Hund und
Halter in
diesem Moment nicht sein: der eine im Taumel der
Glückseligkeit, der andere
voller Sorge. Denn Sie warten ja noch immer, er ist
mittlerweile außer Sicht
und ausgerechnet jetzt hören Sie einen Schuss und das
Quietschen von Autoreifen.
Von dieser Sorge getrieben senden Sie wie ein
Radargerät alle
dreißig Sekunden ein „Hier“ als Information für den Hund,
dass Sie noch da
sind. Falls er überhaupt irgendetwas hört, kann er sich
sicher also sein, dass
Sie auf ihn warten. Einfach ins Auto steigen und wegfahren
wäre sicherlich
sinnvoller, wenn da nicht die Straßen wären und die Angst,
dass ihm etwas
passieren könnte.
Menschen sind schlechte Jagdbegleiter
Minuten vergehen (gefühlt sind es Stunden) und dann sehen
Sie ihn:
abgekämpft trabt er auf Sie zu, während Sie eine schnelle
Gefühlswandlung
durchleben. Die Sorge weicht der Erleichterung, direkt
gefolgt von Wut. Leider
sind Hunde sind neben ihren jagdlichen Fähigkeiten sehr
talentiert im Deuten
menschlicher Körpersprache. Ihre hervorspringende
Halsschlagader erkennt Ihr
Hund auf mindestens fünfzehn Meter und antwortet mit
Demutsverhalten. Auf
den Brustwarzen kriechend und mit angelegten Ohren kommt er
auf Sie zu.
Man könnte fast den Eindruck gewinnen, er wüsste, dass er
etwas falsch
gemacht hat. Eigentlich ist es aber nur ein Indiz dafür,
dass er sich nicht
mehr im Jagen befindet, zur normalen Kommunikation fähig ist
und dadurch
Ihre drohenden Signale richtig interpretiert. Ansonsten
würde er wild hechelnd
und mit leicht irrem Blick auf Sie zu und dann an Ihnen
vorbeilaufen, um
weiterzujagen. Sie konzentrieren sich ein letztes Mal und
zwingen sich die
mittlerweile übel riechende Fleischwurst aus der Tasche zu
ziehen, mit
zusammengepressten Zähnen quetschen Sie sich ein „So ist
fein“ heraus und
belohnen ihn für sein Zurückkommen. Warum auch immer,
schließlich ist er
erst gekommen, als er fertig war und das nur, weil er nicht
allein im Wald
leben möchte. Sie wundern sich, warum er Ihnen das immer
wieder antut. Er
fragt sich, warum Sie sein Hobby nicht teilen.
Nicht nur eine Frage der Erziehung
Eventuell haben Sie trotz aller Wut auch Verständnis für
Ihren jagenden Hund.
Schließlich jagt er nicht, um Sie zu ärgern oder weil er Sie
nicht ernst nimmt.
Jagen ist nicht unbedingt ein soziales Problem und lässt
auch keine
Rückschlüsse auf die Erziehung zu. Da können Hunde noch so
gut im Alltag
kooperieren, stundenlang vor dem Supermarkt ohne Leine
liegen und
warten, zuhause unauffällig und ruhig sein, mit Kindern lieb
und auf dem
Agility-Platz ein Ass sein: wenn eine jagdliche Situation
entsteht, läuft bei
manchen Vierbeinern das genetisch fixierte Programm ab.
Hormongesteuert
sind sie gar nicht in der Lage, anders zu reagieren.
Wissenschaftlich lässt
sich das ganz einfach erklären. Der körpereigene Cocktail
versetzt den Hund in eine geradezu zwanghafte Situation, hinterherhetzen zu
müssen und
belohnt ihn mit einem rauschähnlichen Zustand.
Aber man muss
gar nicht
einmal die Wissenschaft bemühen, um das Verhalten ihres
Hundes zu
erklären. Manchmal reicht es auch, einem von der Hatz gerade
zurückkehrenden Hund ins Gesicht zu schauen. Dieser Ausdruck
in den
Augen, die langgezogenen Mundwinkel: das pure Glück schäumt
Ihnen da
entgegen.
Auf der Jagd
Vielleicht hatten Sie ja schon ein- oder zweimal die Chance,
das Reh früher
als ihr Hund zu sehen, ihn anzuleinen und damit das
Schlimmste zu
verhindern. Doch das hechelnde Wesen am anderen Ende der
Leine dann
noch dazu zu bringen, sich auf Sie zu konzentrieren und das
Wild keines
Blickes zu würdigen, ist eine ganz andere Sache. Denn wenn
ihn die Hormone
schon durchströmen, dann ist er für Ihre Anliegen kaum noch
zugänglich.
Oder haben Sie mal versucht, einen verliebten Menschen von
der
Notwendigkeit einer nur dreitägigen Reise zu überzeugen, die
ihn oder sie
vierhundert Kilometer weg vom geliebten Objekt führen würde?
Keines ihrer
Argumente, die teuren Stornokosten, die Vorfreude, die man
monatelang über
das bald anstehende verlängerte Wochenende teilte, der
Hinweis auf die
Freundschaft, die bei einer Absage schwer geschädigt werden
würde…
Nichts wird den von Dopamin durchfluteten Menschen dazu
bringen, doch
noch mitzufahren. Nicht einmal, wenn noch gar nicht klar
ist, dass das
ganze ein glückliches Ende nehmen wird, der oder die
Verliebte
möglicherweise drei Tage unverrichteter Dinge nur seine
leere Mailbox
abhören kann, nichts wird ihn von der Nähe des begehrten
Menschen
entfernen. Und nun erklären Sie ihrem Hund mal, dass das mit
dem Reh
keine gute Idee ist. Dass es im Falle einer Hatz zwei Tage
kein Futter und
fünf Tage keinen langen Spaziergang mehr gibt. All das wird
ihn nicht vom
Jagen abhalten. Er kann nicht anders, er ist auf der Jagd,
nicht nach
Nahrung, sondern nach dem großen Gefühl. So wie wir alle.
Leidenschaft lässt sich nicht abstellen
Das ist der Grund dafür, dass die meisten Erziehungs- und
Unterbrechungsmethoden bei einem jagenden Hund nicht dazu
führen, dass
er nicht mehr jagen will. Sie können niemanden ausreden,
verliebt zu sein.
Denn es ist keine vom Verstand zu steuernde Entscheidung,
die da gefallen
ist. Wir kriegen das Jagdverhalten nicht aus einem Hund
heraus, schließlich
haben wir es auch nicht hineingetan. Was bleibt, klingt
nüchtern:
Jagdverhalten lässt sich allenfalls kontrollieren, aber der
Wunsch danach
nicht abstellen. Realistisch ist der Anspruch auf Kontrolle
über das
Jagdverhalten, also ein lebenslanger Reibungsprozess mit dem
Hund. Es wird
ein Kampf gegen seine Genetik und gegen die Hormone bleiben.
Und gerade
die werden es Ihnen nicht leicht machen, mit einem Ruf noch
in den Kopf
Ihres Hundes zu kommen. Dazu gehört einiges an Vorarbeit,
das Trainieren in
realistischen Situationen und ein gutes Timing. Deshalb ein
letzter Tipp:
Wenn Sie gerade selbst verliebt sind, lassen Sie Ihren
jagenden Hund besser
an der Leine. Es sei denn, Sie haben es auf den Förster
abgesehen.
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Autorin: Nadin Matthews
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