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Ich kann es nicht lassen! Wenn mich etwas ärgert, aufregt oder auch belustigt, dann muss ich es einfach aufschreiben, damit es aus dem Kopf ist. Die folgenden Kolumnen gehören eindeutig in die Kategorie "Franziska, schreib's auf, sonst platz Du" und ich möchte Sie Ihnen nicht vorenthalten.

Der Welpenschutz

oder

Warum wir uns von Kindern nicht mit Filzstiften bemalen lassen, unsere Hunde aber jeden Welpen klaglos ertragen sollen

Annalena ist ein nettes Kind, sie würde keiner Fliege etwas zu leide tun. Annalena ist drei Jahre alt, kann prima laufen und auch schon sprechen. Und sie nervt. Sie nervt Steffi, 25 Jahre alt, die einfach nur im Liegestuhl liegen will und lesen. Annalena zupf an ihr herum, bemalt sie mit Filzstiften, rennt dauern um sie herum und ruft ihr permanent zu, sie solle endlich mit ihr, dem süßen Kleinkind, spielen. Annalenas Mutter schaut ihrem aufgeweckten Nachwuchs begeistert zu und Steffi schnauft tief durch. Sie schickt genervte Blicke zu dem kleinen Schraz hinüber, murmelt auch mal, sie solle sich gefälligst jemand anders suchen zum Spielen und wird auch ein wenig ungehalten, aber nie grob. Annalena tobt ins Steffis Bett herum und legt sich dann wieder direkt neben die junge Frau und streckt ihr die Zunge heraus.

Und Steffis Mutter ist sehr stolz auf ihre Tochter, die sich so trietzen lässt und dem süßen Kleinkind alle Freiheiten der Welt lässt. Aber am nächsten Tag reicht es Steffi und als auch die ziemlich klaren Worte, mit denen sie Annalena in die Schranken weisen will, nichts bringen, schnappt sie sich das Rotzgör, schubst es in eine Ecke, fährt es an und macht ihm klar, dass es sich noch viel mehr Ärger einhandelt, wenn es es auch nur wagt, noch einmal in ihre Nähe zu kommen!

Alle sind entsetzt, besonders Steffis Mutter. Ihre Tochter ist ein Monster, wahrscheinlich muss sie in ein Umerziehungslager, um ihre Gewalttätigkeit in den Griff zu bekommen, wie grauenhaft. Kann sie dieses junge Mädchen noch lieben? Und Annalena? Die heult und kreischt infernalisch, humpelt ein wenig und wird von ihrer Mutter getröstet, wie jemand so gemein zu ihr sein kann, wo sie doch gar nichts getan hat… Und sie wird einen Psychologen engagieren, damit Annalena keinen Schock fürs Leben hat und ihrerseits ein Monster wird…  

Kommt Ihnen die Szene komisch vor? Wenn wir davon ausgehen, dass es sich wirklich um Menschen handelt, wäre es auch merkwürdig, denn wer würde sich geschlagene zwei Tage von so einem Kind, das keine Grenzen zu kennen scheint, derart nerven lassen? Und Annalenas Mutter hätte längst eingegriffen, es sei denn, sie gehört zur Spezies „Antiautoritär erziehendes Elternteil“. Ich übersetze solche Leute aber gern mit „Ich hab als Eltern keine Lust, mir Gedanken zu machen, wie ich Grenzen setze und  tarne meine Faulheit als Liebe zum Kind“. Eine umsichtige Mutter (oder Vater) hätte ihr Kind längst weggeholt, ihm etwas zum Spielen angeboten oder selber etwas Interessantes mit ihr gemacht. Uns Steffis Mutter hätte sich gewundert, wieso ihre sonst so selbstbewusste, erwachsene Tochter sich solche Frechheiten gefallen lässt und hätte ich vielleicht auch gefragt, ob Steffi krank sei… 

Aber Annalena und Steffi sind keine Menschen, sondern Hunde und sie heißen Lara und Zita (Namen geändert, aber Situation real). Lara ist 12 Wochen alt und Zita 2 Jahre, also ein Welpe und eine gestandene Hündin. Zita hat einen geschlagenen Tag lang versucht, den aufdringlichen Jundspund zu ignorieren, hat beschwichtigt und auch mal gegrummelt. Und Lara hat sich als besonders lernresistent erwiesen und immer weiter genervt. Niemand hat eingegriffen, den Mörderanschiss, den sich Lara dann am zweiten Tag abgeholt hat, zu verhindern.

Und wer ist die Böse? Na klar, die „aggressive“ Zita, die nach der Meinung einer grad am Bauernhof vorbeikommenden Wandergruppe, auf der Zita und Frauchen Urlaub machten, nur noch mit Maulkorb laufen dürfte! Keine Ahnung, was passiert ist, aber’s Maul aufreißen und ungebeten Allgemeinplätze ablassen, das haben wir besonders gern! Und Laras Frauchen hat nun Angst, dass Lara für die Zukunft verdorben ist… Zitas Frauchen war am Boden zerstört, als sie mir den Vorfall berichtete und meinte, sie hätte nun echte Probleme damit, ihre Hündin wieder zu lieben.

Also, wenn ich mir so anschaue, was abläuft in der Welt der Begegnungen zwischen Welpen und erwachsenen Hunden, kann ich immer wieder nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Und wenn ich dann den Satz „Der hat doch noch Welpenschutz!“ höre, kriege ich grüne Haare! Wie lange wird es noch dauern, bis alle Menschen begreifen, dass es Welpenschutz nur in gewachsenen Rudelstrukturen gibt, also mit den Elterntieren und anderen Mitgliedern des Rudels? Und dann auch nur bis 16 Wochen. Draußen, unter fremden Hunden, bleibt ein Welpe einfach ein junger Hund, den man als erwachsener Hund nicht zwangsläufig mögen muss! Aber nein, Welpen sind ja sooo süß und sie „tun doch gar nichts!“ 

Menno, doch sie TUN was, sie NERVEN! Nicht immer, aber wenn doch und wenn der Welpenbesitzer dann merkt, dass sein Hundekind dem anderen Hund zuviel wird, dann hat er verdammt noch mal die Pflicht, seinen Hund aus der Situation rauszunehmen, bevor der Anschiss vielleicht zu heftig wird. Und der Besitzer des genervtenHundes hat verdammt noch mal die Pflicht, seinem Hund beizustehen und den Welpen selber abzuwehren, wenn sein Hund genervt ist und seine Beschwichtigungen und sein Ignorieren nichts bringt. Oder er hat zumindest den Welpenbesitzer unmissverständlich aufzufordern, den kleinen Lästling zu entfernen! Aber im Fall von Zita hat sich ihr Frauchen, die wirklich eine ganz liebe Frau ist, einfach nicht getraut und Laras Besitzerin musste es ja wissen, wie es geht mit dem Welpenschutz, denn sie hatte ja schon immer Hunde… Mein Vater hatte schon 20 Jahre lang den Führerschein, bis er kapierte, dass es die Rechts-vor-Links-Regel gib, weil ihm von rechts fast einer reingefahren wäre. Also, seit wann ist die Anzahl der Jahre der Hundehaltung ein Garant für vernünftigen Umgang mit dem Vierbeiner?  
Und dann dieses elende Vermenschlichen: „Eine Hündin muss doch Welpen mögen und wenn nicht, dann ist sie verhaltensgestört!“ Das ist genauso dämlich wie die Annahme, jede Frau mag Kinder, nur weil sie prinzipiell auch selber welche kriegen kann. Ich mag Kinder sehr, aber nicht alle! Wenn ich meine Ruhe haben will, dann will ich meine Ruhe, Punkt. Und das sage ich dann auch klar und verständlich und niemand findet es komisch, dass ich mir meine Hosen nicht unwidersprochen mit Filzstift vollmalen lasse, nur weil das Kind das grade komisch fände…  

Zitas Frauchen kann hoffentlich wieder ruhig schlafen, nachdem ich ihr erklärte, dass sie keinen gestörten, sondern sogar einen extrem langmütigen, geduldigen Hund hat, denn so ziemlich jeder meiner eigenen Hunde hätte spätestens nach einer halben Stunde dem Rotzlöffel von Hundekind einen Satz heiße Ohren verpasst. Wenn ich es überhaupt so weit hätte kommen lassen, denn ich weiß, dass einige meiner Hunde Welpen nervig finden und dann sehr heftig reagieren können. Schließlich können sie kein Plakat schreiben auf dem steht“Ey, Du gehst mir auf den Senkel, verzupf Dich oder ich mach Dich so klein, dass Du unter dem Teppich Fallschirm springen kannst!“ und so können sie nur beschwichtigen, knurren oder dann halt ausrasten, was ich tunlichst zu verhindern suche!    

Also, errichten wir doch endlich mal einen virtuellen Grabstein mit der Aufschrift „Hier ruht der Welpenschutz. Es gab ihn nur selten, aber er wurde überall gesehen!“.   





Ich surfe gerne im Internet. Da kann ich mir interessante Infos rausholen, Neuigkeiten erfahren, mich regelrecht weiterbilden. Und wenn ich mal eine Frage habe, dann gehe ich in eins der vielen, vielen Foren. Nicht, dass ich der Meinung bin, dort nur Fachleute anzutreffen, von denen ich Tipps auf der Grundlage ihrer langjährigen Erfahrungen bekommen würde, nein. Meistens tummeln sich ja eher Laien dort, ist ja auch okay. Kommen trotzdem oft interessante Ideen dabei herum. In Hundeforen war ich oft, liegt ja nahe, schon aus beruflichem Interesse. Aber eigentlich ist es müßig, in Foren mehr zu tun als nur harmlos zu plaudern, denn in jedem Forum gibt es die berüchtigte "Foren-Muräne". Sie wissen nicht genau, was das ist? Nun, zumindest die real existierenden Muränen sind aalartige Knochenfische, die von der Optik her Schlangen ähneln.

Wie sie leben? Hier eine Definition aus dem Internet: „Alle Muränen leben mehr oder weniger versteckt in Höhlen, Felsspalten und Korallenriffen und verlassen höchstens nachts zur Jagd vollständig ihren Unterschlupf. Sie schwimmen mit Hilfe schlängelnder Bewegungen des ganzen Körpers. Tagsüber ragt meist nur der Kopf aus dem Unterschlupf. Muränen sind standorttreu und suchen immer wieder dasselbe Versteck auf. Größere Muränen haben auch mehrere Unterschlüpfe, die bis zu 200 Meter weit auseinander liegen können. Höhlensysteme können von einzelnen oder von mehreren Muränen, manchmal auch von verschiedenen Arten bewohnt werden. Muränen leben oft dauerhaft mit Putzerlippfischen oder Putzergarnelen zusammen. Von diesen lassen sie sich säubern und im hierfür geöffneten Maul zwischen den Zähnen befindliche Speisereste entfernen. Die Putzer werden nicht gefressen.

Diese Muränen sind Raubfische und ernähren sich von Beutetieren, die nichtsahnend am Versteck vorbeischwimmen und bis dahin noch denken, der Tag wird schön…   Und genauso leben die Foren-Muränen. Ein harmloser User-Fisch kommt virtuell angeschwommen und stellt eine Frage. Der hochentwickelte Geruchssinn der Foren-Muräne wittert sofort fette Beute, schießt aus der Felsspalte, in der er lebt, hervor und greift an. Oder die Muräne schwimmt grade so umher, schaut sich ein bisschen im Forum um und dann – bang – kommt eben diese Frage. Es ist völlig wurscht, wie die Frage lautet. Theoretisch könnten sich erwachsene Menschen über so ziemlich jede Frage sachlich unterhalten. Nicht so die Muräne. Wie hieß es noch? „Alle Muränen leben mehr oder weniger versteckt in Höhlen, Felsspalten und Korallenriffen und verlassen höchstens nachts zur Jagd vollständig ihren Unterschlupf.“ Genau, jetzt ist sie auf der Jagd, jetzt greift sie an. Der erschrockene User wird in Stücke gerissen oder zumindest verbal schwer verletzt. Und die User-Fische, die ihm vielleicht zu Hilfe kommen möchten, werden genauso angegangen, denn eine Foren-Muräne lässt sich ihre Beute so schnell nicht entreißen. Im Gegenteil - sie zelebriert den Kampf, weitet ihn aus, genießt die Aufmerksamkeit, die ihr Angriff provoziert.

So mancher User-Fisch hat diese Attacke nicht überlebt und lässt sich daher in diesem Forum nicht mehr blicken. Schade, denn das Plankton, die Info, die da so herumschwirrt, hätte ihn vielleicht gut genährt. Natürlich kann eine Foren-Muräne nicht wirklich töten, aber vergraulen kann sie ganz prima. Wie heißt es weiter? „Größere Muränen haben auch mehrere Unterschlüpfe, die bis zu 200 Meter weit auseinander liegen können. Höhlensysteme können von einzelnen oder von mehreren Muränen, manchmal auch von verschiedenen Arten bewohnt werden.“ Ja, denn zum Beispiel in Hundeforen gibt es diese Muräne dann in mehreren Plattformen, manchmal mit anderen Muränen zusammengeschlossen  Und niemand kann sie wirklich sehen, denn natürlich tarnt sie sich. Mit einem Nickname. Ohne ihre Tarnkappe, in einer Auge-in-Auge-Auseinandersetzung würde sie vermutlich unter einer Stimmbandlähmung und heftigem Erröten leiden und ganz klein mit Zylinder sein. Aber hier kennt sie ja niemand persönlich Und im Schutze der Anonymität kann sie ihren ganzen Frust, ihre ganze Wut und Unzufriedenheit über sich und ihr Leben so richtig rauskotzen. Denn es geht der Foren-Muräne gar nicht so sehr ums Fressen, es ist das sich-Auskotzen an sich, dass sie am Leben hält.

Weiter: „Muränen leben oft dauerhaft mit Putzerlippfischen oder Putzergarnelen zusammen. Von diesen lassen sie sich säubern und im hierfür geöffneten Maul zwischen den Zähnen befindliche Speisereste entfernen. Die Putzer werden nicht gefressen“. Die Foren-Muränen haben oft Helfer. Schleimer, denen selber nichts Sinniges einfällt, die sich von der Popularität der Muränen ernähren und daher völlig überflüssige Kommentare wie „Ich kenn mich da nicht so genau aus, aber ich stimme „Drachenkönig“ zu, denn der scheint ja Ahnung zu haben…“ einstellen, damit ihr Name auch mal erscheint. Klar, diese Putzer-User-Fische greift die Muräne nicht an, wer frißt schon seinen Fanclub? Von diesen Putzern lässt sie sich das Maul von Parasiten befreien. Und das geht prima, denn das Maul weit aufreißen ist eine der leichtesten Übungen der Foren-Muräne.

Die ganz hartnäckigen User-Fische aber kommen wieder, mit einem handfesten „Leck-mich!“Panzer um den Körper, damit sie es sich leisten können, die Attacken der Muräne einfach zu ignorieren. Aber ich schwöre Euch, es nagt in den meisten User-Fischen und sie fragen sich, wozu zum Teufel es eigentlich eine „Nettiquette“-Regelung in diesem Forum gibt, wenn sie anscheinend niemand überwacht. Denn schließlich können besonders üble Muränen ja auch aus dem Foren-Meer entfernt werden. Aber der Ober-Userfisch, der das zu tun hat, ist meistens hoffnungslos überfordert, denn in manchen Foren treiben sich ja mehrere Muränen herum und so wird auf allen Plätzen gestritten. Außerdem, sollte eine Muräne tatsächlich mal rausfliegen, dann meldet sie sich halt unter anderem Namen wieder an!

Nun wundert es mich ja nicht, dass zum Beispiel in manchen Hundeforen ein Ton herrscht, dass es einem die Nackenhaare aufstellt. Wo es noch keine einheitliche, allseits anerkannte Lehre gibt, wie man seinen Hund zu erziehen hat, da prallen eben Einstellungen aufeinander, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Aber neulich passierte mir etwas, was ich nicht für möglich gehalten hätte. Ich interessiere mich für Buddhismus. Nicht, weil ich etwa Buddhistin werden möchte, sondern einfach nur so. Und da habe ich mich in einem Buddhismus-Forum angemeldet, was gar nicht so einfach war. Um meine Ernsthaftigkeit zu überprüfen musste ich sogar zwei Anmeldeschritte durchlaufen und mich über beide Passwörter, die ich aber zu unterschiedlichen Zeiten und auf unterschiedlichen Wegen bekam, innerhalb von zwei Wochen anmelden. Machte ich auch alles brav und stellte dann ganz naiv meine Frage. In einem Forum wohlgemerkt, dass zu einer Seite gehört, die sich widerum mit einer Religion befasst, die sich Friedfertigkeit explizit auf die Fahne geschrieben hat! Jedenfalls soweit ich das weiß. Meine Frage lautete sinngemäß: „Essen Buddhisten Fleisch?“ Ich fragte mich einfach, ob ein Mensch, der sich laut seiner Religion im Respekt vor den Rechten und Freiheiten anderer Lebewesen übt, Fleischkonsum mit seiner Einstellung in Einklang bringen kann. Na, da habe ich aber mal so richtig in ein Wespennest gestochen und die definitiv übelste Foren-Muräne geweckt, die sich jemals auf mich gestürzt hat! Ja der Wahnsinn, war die angriffslustig! Aber sehr heilig, denn sie warf mit buddhistischen Begriffen nur so um sich. Dharma , Jyotsna, Jivaka, Lankavatara und vieles mehr, von denen ich heute noch nicht weiß, welcher Begriff davon ein Name, welcher eine Schrift und welcher eine ansteckende Krankheit ist.

Nach der Äußerung „Was für ein elitäres Geschwafel“ reicht es mir dann und ich postete nach einer kurzen Verabschiedung nicht mehr mit, weil ich es nicht fassen konnte, wie ein Mensch, der Buddhist ist oder vorgibt zu sein oder sein möchte oder wie auch immer, so verbal entgleisen kann. Nicht, dass ich der Meinung bin, alle Buddhisten sind kurz vor der Heiligsprechung und immer nur lieb und nett, sind ja schließlich auch nur Menschen, aber in diesem Forum hatte ich doch was anderes erwartet. Und nun kamen jede Menge anderer User-Fische angeschwommen und gingen, Gott sei Dank in abgeschwächter Form, auf die Muräne los, die aber locker-sarkastisch konterte und offenbar davon überzeugt war, dass sie kurz vor der vollständigen Erleuchtung stand, während sich die anderen User-Fische noch immer im grausigen Dunkel der Erkenntnislosigkeit wälzten… Ich meldete mich ab, offiziell, beim Forenleiter. Versuchte ich zumindest, aber ich habe bis jetzt nicht mal eine Abmeldebestätigung bekommen. Und so bekomme ich nun täglich Dutzende Benachrichtigungen, die mich informieren, dass sich schon wieder Userfische anblubbern im Kampf um die bessere Erleuchtung, den besseren Meister, das bessere Karma oder was weiß ich. Mit meiner ursprünglichen Frage haben die Einträge gar nichts mehr zu tun und das erinnert mich dann doch stark an die meisten Kriege, bei denen auch schnell keiner mehr weiß, für was oder wen man sich eigentlich die Köppe einschlägt. Mit der Abmeldung beim Forum ist es übrigens nicht anders als bei anderen Foren auch: Angemeldet bist du mehr oder weniger schnell – aber rauslassen tun’s dich nimmer! Im Buddhismus-Forum wurde immer wieder vom „Loslassen unwichtiger Dinge“ geschrieben. Genau, ich wollte das Forum loslassen, denn es ist für mich unwichtig. Aber nix da, ich werde wohl bis an das Ende meiner Tage oder bis zu meiner Erleuchtung, die in keiner auch nur annähern greifbaren Weite zu liegen scheint, diese blöden, nervtötenden Mitteilungen bekommen. Da kann ich nur fleißig das Loslassen der Foren im stillen Kämmerlein üben. Ooohmmm!




Die Vogelgrippe ist da! Auf Rügen starben einige Hundert Wasservögel und drei Katzen, in einigen anderen Bundesländern auch ein paar Enten und schon zeigen die Karten der Sensationsmedien gleich das ganze Bundesland an, auch wenn es nur um ein oder zwei Tiere geht. Damit wird der deutsche Michel erfolgreich in Panik gebracht und kauft fleißig weiter die Zeitung oder schaltet den Fernsehsender ein, damit er auch auf dem Laufenden bleibt. Und damit die Politiker sich hinterher nichts vorwerfen lassen müssen, verhängen sie allerorts Leinenpflichten und Freilaufverbote für Hunde und Katzen. Weil in Schaftlach eine Ente tot aufgefunden wurde, müssen jetzt hunderte von Hunden aus der gesamten Region an der Leine bleiben und die Katzen kriegen den Hauskoller, weil sie nicht mehr raus dürfen! Dabei ist noch nicht einmal geklärt, ob die Ente überhaupt an dem H5N1-Virus gestorben ist, aber das eilt ja auch nicht. Hauptsache, es gibt mal wieder einen Grund, die in der Region sowieso nicht gern gesehenen Hunde an der Leine halten zu müssen.

Es ist schon merkwürdig – was war denn mit den toten Wasservögeln vor der Grippe? Die lagen doch auch einfach herum nach ihrem Ableben und vermoderten, oder hat man die immer beerdigt? *Grübel, grübel*

Sehr häufig fragen mich in letzter Zeit beunruhigte Kunden, wie ich es denn mit der Vogelgrippe halten würde. Nun denn: Im Gegensatz zu den meisten Politikern verfüge ich wohl doch noch über ausreichend gesunden Menschenverstand, um nicht in Panik zu verfallen. Unsere Katzen dürfen auch weiterhin frei laufen, auch wenn wir an der Mangfall wohnen. Sie fressen kein Aas und Wasservögel sind nicht ihr Beuteschema, sie sind ja nicht größenwahnsinnig. Das größte, was je dran glauben musste, waren Amseln und die zählen ja, soweit mich meine Erinnerung nicht trügt, zu den Singvögeln. Und unsere Hunde laufen selbstverständlich auch weiterhin frei, wobei ich die Sperrgebiete tatsächlich meide. Nicht aus Angst vor Infektionen, Gott bewahre, sondern weil ich keine Lust habe, mich blöd anreden zu lassen von hysterischen Hundehassern, die nach der „Kampfhundediskussion“ nun wieder einen prima Grund gefunden haben, rechtlich abgesegnet Hundebesitzer dumm anzumachen.

Aber die Krönung kam mir neulich zu Ohren. Ich wurde gefragt, ob denn der Freilauf auf dem Hundeplatz noch gestattet sei. Einer Kundin wurde von einer befreundeten Hundebesitzerin, die einen benachbarten Hundeverein besucht, darauf hingewiesen, dass nun auch der Freilauf auf Hundeplätzen untersagt sei. Hätte man ihr in ihrem Verein gesagt. Ich will nun mal zur Ehrenrettung dieses Vereins annehmen, dass es sich da um den berüchtigten Stille-Post-Effekt handelt, denn allen Ernstes kann ja wohl niemand erwarten, dass wegen dieser lächerlichen Vogelgrippe Hunde nun auch nicht mehr auf dem überschaubaren Terrain eines Hundeplatzes frei laufen dürfen!

Ich habe lange über die mögliche Gefahr nachgegrübelt und bin erst zu keinem Ergebnis gekommen, denn ich kann ja schon verquer denken, aber hier fällt es selbst mir schwer. Aber hab ich’s, der Infektionsweg auf dem Hundeplatz geht folgendermaßen:

Eine seit längerem infizierte Ente, die von ihrem bevorstehenden Ende weiß, möchte sich noch mal einen richtig schönen Ausflug gönnen und verlässt ihren Teich, ihren Fluss oder Bach oder wo auch immer sie sich bislang heimisch fühlte und fliegt in Gegenden, die sie noch nie gesehen hat. Da sie durch die Krankheit schon nicht mehr ganz klar im Kopf ist und sie sich kräftemäßig ziemlich bei ihrem Ausflug verausgabt hat, denkt sie beim Überqueren des Hundeplatzes, auf dem gerade ein Frauchen ihrem Wauwi Brotkrümel als Leckerchen füttert, das sei ja nun die Gelegenheit, eine Henkersmahlzeit zu sich zu nehmen, denn Brot bekam sie immer von den Sonntagsspaziergängern an ihrem Gewässer. Sie versucht also, sich auf dem Hundeplatz niederzulassen, aber in Folge ihres desolaten Gesundheitszustandes gelingt ihr die Landung nicht elegant, sondern sie schmiert unsanft ab und landet genau in der übenden Gruppe von Menschen und Hunden, wo sie noch ein paar Mal verzweifelt zappelnd versucht, wieder in die Luft zu kommen, weil ihr klar wird, dass diese Landung eine saublöde Idee war. Bei den Hunden bricht ob dieses Bewegungsreizes mit Urgewalt ihr wolfisches Erbe durch, sie stürzen sich wie toll auf den sterbenden Wasservogel und machen ihm den Garaus. Die Menschen stehen derweil herum, schauen zu und rauchen erstmal eine Zigarette. Die Hunde aber geben erst Ruhe, als die Ente vollständig verspeist ist, rennen dann zu ihren Menschen und schlecken ihnen hingebungsvoll die Gesichter ab. Selbstverständlich werden die Menschen sofort von ihren jetzt natürlich infizierten Hunden widerum mit der Vogelgrippe angesteckt und dass es bislang noch nicht einmal im Labor gelang, Hunde überhaupt zu infizieren, lassen wir einfach mal außen vor. Die Menschen sind verzweifelt, denn jetzt dämmert ihnen, was passiert ist, rennen weinend nach Hause, umarmen und küssen ihre Verwandten und tragen so das Virus immer weiter. Ja, so muss es gehen mit der Infektion, kein Zweifel! Und deshalb ist es selbstverständlich unerlässlich, auch auf Hundeplätzen Leinenpflicht einzuführen. Dass die Leinenpflicht auf vielen Hundeplätzen schon besteht, aber nur deshalb, weil die Hunde derart schlecht sozialisiert sind, dass sie sich gegenseitig an die Gurgeln gehen würde, lasse ich mal noch weiter aussen vor, aber die Leute dort haben es rein infektionstechnisch gesehen natürlich supergut…

Ich habe bei der ganzen Panik eher den Eindruck, dass es sich bei den Verordnungen der Politiker um Spätfolgen des BSE-Skandals handelt, von dem heute übrigens niemand mehr redet. Und was das gefürchtete Mutieren des Virus angeht – der Erreger der „ganz normalen“ Virusgrippe mutiert jedes Jahr und dieses Grippe raffte allein in Deutschland in der Saison 2004/2005 ca. 10.000 bis 20.000 Menschen dahin, und noch mehr Menschen mussten ins Krankenhaus. Übrigens stand im Gelben Blatt, aus dem ich diese Zahlen zitiere und dem ich unendlich dankbar bin für den Artikel, auch, dass hochgerechnet auf die Erkrankungszahlen in Asien in Deutschland 0,0001Promille, also ein Mensch von zehn Millionen, erkranken würde. Dabei sind die hier nicht vorstellbaren engen Kontakte mit dem Geflügel nicht mal berücksichtigt, denn wer hält bei uns sein Geflügel schon im Haus oder lässt seine Kinder mit den toten Tieren spielen!?

Ich sehe aber eine tatsächlich große Gefahr für die Bevölkerung. Durch die Folgen von Stress sterben in Deutschland jährlich hunderttausende Menschen und wenn wir uns weiterhin so verrückt machen lassen, dann kommen noch einige Tausend Stressopfer Dank der Vogelgrippepanik hinzu. Also, bewahren Sie bitte einen kühlen Kopf und lassen Sie Ihren gesunden Menschenverstand walten! Und unser täglich Abendgebet sollte sein: Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!





Ich stehe gerade im Hugendubel-Buchpalast vor dem Regal mit den Reiki-Büchern und schwebe gedanklich ein bisschen zwischen Himmel und Erde, als ich plötzlich merke, dass sich mein Pekinese Winston sehr weltlich für einen anderen Hund interessiert. Dieser andere Hund, ein blonder Benji-Wuschel mittlerer Körpergröße, leider am Halsband, ist auch sehr an meiner Kurznase interessiert und so zerrt er Frauchen mal eben zu uns hinüber, auf dass er Winston beschnuppern kann.

Benji-Frauchen hat noch eine Freundin dabei, die hellauf entzückt ist über die freudige Begrüßung des „süßen Mädchens“. Kaum kläre ich sie auf, dass es kein Mädchen, sondern ein unkastrierter Rüde ist, da weicht sie entsetzt zwei Meter zurück und ruft „Ach Gott, da kracht es ja gleich!“ Ich, jetzt nur noch halb zwischen Himmel und Erde, aber immer noch relativ entspannt, frage „Wieso sollte es?“

„Na, bei zwei Rüden, das geht immer schief! Ich habe auch einen Rüden!“ Ich grinse und sage „Na, ich kann Sie beruhigen! Selbst wenn es krachen sollte, dann werden die Hunde nicht explodieren, sie brauchen sich also nicht in Sicherheit zu bringen!“ So einen Spruch hätte ich nicht bringen dürfen, der ging voll daneben. Nun zeigt sich, dass ich es mit einer wahren Hundeexpertin zu tun habe, die sich durch solche Bemerkungen zu einer Belehrung genötigt fühlt.

Unser zeigt ja immerhin Beschwichtigungssignale und Ihrer NICHT!“ Ich bin verdutzt und frage „Ach, welches zeigt Ihrer denn?“ Ich kann nämlich partout nichts feststellen, was bei Benji in irgendeiner Weise mit den Beschwichtigungssignalen nach Turid Rugaas zu tun hat. „Er wedelt!“ Ja, kaum zu übersehen, Benji wedelt. Aber mit steil aufgestellter Rute, außerdem steht er irgendwie etwas staksig halb neben, halb über Winston, dem, genau wie mir, schon etwas mulmig wird. Ich versuche möglichst beherrscht zu sein und entgegne: „Nein, das ist kein Beschwichtigungssignal, das ist in dieser Situation lediglich Erregung!“

Ein spitzer Laut der Empörung entweicht der Damenkehle. „Das ist ein Beschwichtigungssignal!" Ein empörter Blick ob meiner Unwissenheit trifft mich frontal und sie setzt gleich noch einen drauf: "Aber vielleicht sehen Sie das ja nicht ganz objektiv, weil ihr Hund ja gar nicht wedelt!“ Nun bin ich aber wieder ganz und gar auf der Erde und kann einem Anflug von arroganter Gönnerhaftigkeit ob solch fehlerhafter Beobachtungen nicht widerstehen. Mit einem schauspielerisch hervorragenden, milden Lächeln, aber innerlich brodelnd, säusele ich, „Ich sehe das sogar sehr objektiv und ich muss mich da auskennen, ich habe eine Hundeschule!“.  Peng, nun muss sie den Brocken schlucken, damit hat sie bestimmt nicht gerechnet! Ich zähle triumphierend den ersten Siegpunkt auf meinen Aufregerkonto, aber im Hinterkopf mahnt eine Stimme "Na, ganz schön selbstgefällig!" Ich würge die Stimme eiskalt ab, Zwischenrufe sind unerwünscht, ich bin grad sooo schön in Fahrt!

Die Dame schnappt nach Luft und ich doziere „Winston zeigt Beschwichtigungssignale, er züngelt und blinzelt!“ So, und dieses war der zweite Streich, freue ich mich und verbuche einen weiteren Siegespunkt. Inzwischen allerdings klopft mein Herz so schnell wie Benji jetzt wedelt und ich befürchte, dass sich bald Zornesröte meines Gesichtes bemächtigen wird. Ich merke, dass dies eine völlig infantile Streiterei ist, aber ich kann mich noch nicht ausbremsen, ich bin grad sooo gut!! Ich stehe der Stimme im Hinterkopf aber zähneknirschend zu, dass ich unbedingt noch an meiner Gelassenheit und Erleuchtung arbeiten muss!

„Na, das kann ich natürlich von hier aus nicht sehen!“ lächelt die Fachfrau von eigenen Gnaden nun ebenfalls süffisant und fügt hinzu „Aber vielleicht kann Ihrer ja gar nicht wedeln!“. Sie lacht ein kurzes, hysterisches, sehr unfröhlich klingendes Lachen. Ich bin jetzt echt sauer und frage genervt „Warum sollte er es nicht können??“. (In Gedanken gebe ich der Frau schlimme Bezeichnungen, die ich hier aber nicht zitieren kann, weil ich sonst Ärger mit meiner Mama bekommen würde in der Art "Wo bleibt denn deine gute Kinderstube?!")

Da zieht mein Gegenüber die verbale Reißleine mit den Worten „Na, wir gehen jetzt wohl mal lieber, sonst müssen wir noch Beschwichtigungssignale einsetzen!“ und läßt wieder ein glockenhelles, sehr unecht klinges Lachen hören. Offenbar überglücklich über ihren Wortwitz hakt sie ihre Freundin unter und verlässt mit ihr ziemlich überstürzt den Ort des Disputes. Ich stehe da, mit meiner kleinen vierbeinigen Platschnase an der Leine und bin tatsächlich sprachlos. Kommt ja nun wirklich nicht oft vor, wie die Menschen, die mich auch nur ein bißchen kannen, bestätigen können! Im Nachhinein wundere ich mich, dass die Freundin, das eigentliche Benji-Fraule, gar keinen Ton gesagt hat. War es ihr vielleicht zu blöd, was da ablief? Recht hätte sie!

Nun habe ich tatsächlich satte Zornesröte im Gesicht und ärgere mich – über mich selber. Warum kann ich nicht die Klappe halten? Ich schwöre mir „Das nächste Mal hör ich mir den Schmarrn einfach nur an und sage nichts! Ich muss an meiner Bescheidenheit arbeiten, ich muss zur Erleuchtung kommen! Ooohhhmmmm!“


Copyright Franziska Feldsieper