Die Pubertät ist die Zeit im Leben eines Hundebesitzers, in der er sich ernsthaft fragt, warum um Gottes Willen er sich 1. überhaupt einen Hund angeschafft hat und 2. Geld für einen Kurs in der Hundeschule ausgegeben hat.
So zwischen 7 und 10 Monaten kommt ein Hund in die Pubertät. Er hält sich für den Größten, den Tollsten und Herrchen und Frauchen... wer waren das noch? "Sitz!" Nie gehört! "Platz!" Nöö, keinen Bock! "Hier!" Wieso dass denn?? Ist ja total uncool!
Alles Gelernte scheint vergessen, der Hund ist unaufmerksam, macht am liebsten Blödsinn und testet systematisch und mit einem schelmischen Grinsen seine Grenzen aus. Diese Zeit kann einen als Hundemenschen zur Verzweiflung bringen. Die einzige Methode, diese Zeit zu überstehen, ohne seinen Hund an die Wand zu nageln oder den Nachbarn zu schenken ist - GEDULD. Tief durchatmen, immer am Ball bleiben und in der freien Natur mal ein paar Wochen die Schleppleine dranlassen, damit sich Jung-Rambo oder Fräulein Mirdochegal sich wenigstens nicht selbst belohnen können, in dem sie das "Hier!"-Signal permanent überhöhren.
Wie eine Fortgeschrittenenstunde mit zwei pubertierenden besten Freundinnen aussehen kann, sehen Sie hier:
Hauptakteurin Enya, konnte als erstes in ihrem Anfängerkurs Platz auf Entfernung, was sonst erst Thema bei den Fortgeschrittenen ist!
Hauptakteurin Leila. Zeichnete sich schon früh durch besonderen Arbeitseifer und freudige Aufmerksamkeit aus!
Das war mal - die Damen pubertieren! Wie Sie den Gesichtern unschwer entnehmen können, sind sich die beiden ihrer Schönheit und Lebenserfahrung absolut bewußt. (Ja, ich weiß, ich vermenschliche. Egal!)
In Nebenrollen: Leila-Frauchen Julia und Enya-Herrchen Raimund. Bis zu diesem Tag spielten sie eigentlich die Hauptrolle, aber so schnell kanns's gehen...
"Nehmt bitte Eure Hunde an die Leine und macht sie geistig warm!" Immer die erste Übung einer Stunde. Also, Abruf!
Enya muss aber gerade UNBEDINGT den Blumentopf scannen, den schon hundert Hunde angepieselt haben. Das ist WICHTIG - findet Enya...
Leila findet den Abruf auch äußerst unpassend, an der Sandkiste ist es doch viel schöner. Dass Frauchen dafür kein Verständnis hat?!
Und zusammen macht Überhören eh viel mehr Spaß!
Letztlich ließen sich die Damen natürlich doch anleinen und geistig warm machen - also alle bisherigen Übungen wurden wieder ins Gedächtnis gerufen, damit die Hunde vom Spiel zur Arbeit umschalten können.
Erste gemeinsame Übung: Hund ablegen, sich selber hinhockenn und so tun, als schnüre man sich die Schuhe. Die Hunde finden es meistens so interessant, dass sie selber sehen wollen, was man denn da Tolles am Boden macht. Liegenbleiben ist da ganz schön schwer!
"Papa, ich hab Dich soooo lieb und Du kannst mir eh nicht böse sein. Auch wenn ich statt ruhig liegen zu bleiben lieber Bussis geb!" Raimund nimmt's mit Humor - die beste Lösung.
Auch Leila hat es dann schließlich verstanden, dass jetzt Arbeit angesagt ist und bleibt liegen.
Nächste Übung: Hund ablegen, um in herumlaufen und dabei fröhlich in die Hände klatschen.
"Menno, das ist einfach zu verlockend! Ich würd am liebsten aufstehen und auch Spaß machen - aber dann vergeig ich mir mein Leckerle. Bleib ich halt liegen!"
Und auf einmal meinten die Damen, dass es jetzt der ultimative Zeitpunkt für das Lesen interessanter Spuren ist...
Also tief Durchatmen, Hunde wieder an die Leine, aufmerksam machen. Nächste Übung: Hunde "parken" und Ball hin- und herwerfen, den die Hunde aber nicht haben dürfen.
Klappt ziemlich gut, auch wenn Leila die Übung lieber im Stehen absolviert. Aber hier ist es nur wichtig, dass die Hunde nicht dem Ball nachlaufen, weil sie ihn jetzt eben nicht haben sollen.
Die Stunde geht weiter, mal klappt alles prima, mal sind die Menschen total abgemeldet und die Hunde sind zwei vierbeinige Varianten von "Hans-guck-in-die-Luft". Aber keiner der beiden Zweibeiner wird grantig oder ungerecht, sie haben immer im Hinterkopf: "Es sind zwei Puberties, einfach tief durchatmen und dranbleiben!"
Letzte Übung: Die Hunde "parken" und die Menschen sollen sich überschwänglich begrüßen - für selber überschwänglich veranlagte Golden eine schwere Beherrschungsübung.
"Nöö, ich hab jetzt keine Lust, anständig liegen zu bleiben! Wälzen ist viel schöner!"
Also nochmal ablegen, wieder umarmen - Zack, schon stehen die Damen auf schauen sich das mal von näher an! An diesem Tag war Konzentration eher Mangelware.
Und dann hat es doch noch geklappt, sogar bei sehr überschwänglicher Begrüßung! Puh, das war harte Arbeit, für alle Beteiligten! Aber mit Geduld und Spucke geht es auch mit pubertierenden Golden-Mädels!
Und zum Abschluss gibt es dann nochmal ein wildes Spiel! Dickes Lob an die Zweibeiner, die einfach nicht aufgaben und die Marotten ihrer Lieblinge mit Geduld ertragen und immer am Ball bleiben!
Und das Fazit: Die Pubertät von Hunden ist kürzer als bei Kindern - aber man hat meist nicht diesen Eindruck, wenn es so weit ist... ;o))